Schlafen wie ein König

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Schlafen wie ein König
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Das Berner Oberland gilt als Wiege der Schweizer Hotellerie. In den luxuriösen Grandhotels wie dem Gstaad Palace wohnten Könige, Adlige und die Mächtigen dieser Welt. Doch auch viele kleinere Hotels überzeugen mit Charme und gelebter Gastfreundschaft
Fast fünf Millionen Logiernächte verzeichnete die Berner Hotellerie letztes Jahr. Drei Viertel davon entfielen auf das Berner Oberland. Derart beliebt ist die Destination allerdings noch nicht so lange. Denn früher galten die Alpen als brandgefährlich, dämonisch verseucht und todlangweilig. Erst im 18. Jahrhundert wuchs das Interesse an der Natur. Verantwortlich dafür war auch ein Berner: Der Universalgelehrte Albrecht von Haller reiste ab 1728 mehrmals ins Oberland und verfasste die vielfach übersetzte Dichtung «Die Alpen». Mit seinem Werk rannte er beim europäischen Adel offene Türen ein.

Der Genfer Aufklärer Jean-Jacques Rousseau propagierte darauf die Rückkehr zur Natur, Künstler vertieften die Vorstellung, in den Bergen fände der Mensch noch zu seinem wahren Sein, und schliesslich gab es kein Halten mehr: Wer es sich leisten konnte, machte sich auf den Weg, die Terra incognita zu erkunden. Dass sich die Entwicklung zu Beginn des 19. Jahrhunderts stark beschleunigte, hat vor allem zwei Gründe. Zum einen führten gesellschaftliche Umwälzungen dazu, dass sich immer mehr Menschen Reisen leisten konnten. Zum anderen entstand eine touristische Infrastruktur: Die Eisenbahn brachte Menschen in immer entlegenere Gebiete, und überall schossen Hotels aus dem Boden.

Eines der ersten Berggasthäuser entstand bereits 1820 auf dem Faulhorn


Das Bergvolk erkannte schnell, wie es seine landschaftlichen und kulturellen Schätze nutzen konnte. Die Unspunnenfeste von 1805 und 1808 waren wohl die ersten touristischen Grossveranstaltungen im Berner Oberland. Sie zogen so viele Engländer zur Ruine Unspunnen bei Interlaken, dass die Gegend als englische Kolonie bezeichnet wurde. Die vielen Gäste benötigten natürlich auch eine adäquate Unterkunft. Bald wurden überall Hotels eröffnet. Eines der ersten Berggasthäuser entstand in den 1820er-Jahren auf dem Faulhorn und ist bis heute in Betrieb.

Oder das legendäre, ja sagenhafte Palace in Gstaad. Seine Existenz verdankt das Fünfstern-Superior-Haus einem Lehrer aus dem Dorf, der nach einem Englandaufenthalt den Plan verfolgte, auf seinem Land ein Luxushotel für die Briten zu erstellen. Eröffnet wurde das Palace 1913, seither thront es wie ein Märchenschloss über dem Ort. Der Betrieb startete fulminant, doch bald folgten magere Jahre. Anhaltender Erfolg stellte sich erst ein, als Ernst und Silvia Scherz das Haus 1947 übernahmen und zum Anziehungspunkt für die Prominenz machten. Heute wird das Palace von Andrea Scherz in dritter Generation geführt. Dabei reicht es nicht, das Erbe zu verwalten. Die internationale Klientel ist überaus anspruchsvoll. Eben wurde der legendäre Baccarat-Saal, in dem schon Louis Armstrong und Maurice Chevalier auftraten, rundum aufgefrischt. Doch protzen will man nicht.

«Das Palace ist keine Bühne,sondern ein Ort, an dem man entspannt geniesst.». Andrea Scherz
Direktorin Hotel Gstaad Palace
Hotel Gstaad Palace, Gstaad
Hotel Gstaad Palace, Gstaad
Sind es heute die Reichen und Schönen, die die Luxushotels bewohnen, waren es früher Künstler und Literaten, die viel reisten und den besonderen Reiz des Berner Oberlandes beschrieben: Goethe, Lord Byron, Mark Twain, Charles Dickens oder Arthur Conan Doyle. Der Schöpfer von Sherlock Holmes weilte oft in der Schweiz und liess seinen weltberühmten Detektiv hoch dramatisch im Reichenbachfall bei Meiringen sterben. Bis heute ist das Dorf am Brünigpass Holmes- City geblieben, es gibt ein Denkmal und ein Museum. «Viele Gäste kommen nur deswegen hierher», sagt Simon Anderegg, der mit seiner Frau Franziska das Dreisternhotel Victoria Meiringen führt. Dabei hat die Region extrem viel zu bieten: Grimselwelt und Hasli-berg, Aareschlucht, Brienzer Rothorn, Ballenberg, Rosenlaui und natürlich den Reichenbachfall. Kehrt man dann ins Victoria zurück, betritt man ein modernes Hotel mit viel Geschichte. Die Eltern von Simon Anderegg, die den Betrieb lange Zeit führten, entschieden sich 1966, das bisherige Gebäude zu ersetzen. Der Entwurf des Neubaus stammte von Ernst Anderegg, dem Onkel des heutigen Besitzers.Der berühmte Architekt hatte bei Frank Lloyd Wright in den USA gearbeitet und den Wright-Stil in die Schweiz gebracht.

Hotel Vicotria Meiringen, Jungfrau Region
Hotel Vicotria Meiringen, Jungfrau Region

Neben der Hotellerie war aber auch der Bau von Bahnen ein bedeutender Treiber des Tourismus im Berner Oberland. 1906 begannen in Kandersteg die Arbeiten am Lötschbergtunnel. Ausserhalb des Dorfs, zwischen Felswänden und satten Matten, wurde für die Ingenieure eine Unterkunft erstellt. Nach Eröffnung des Tunnels übernahm der Personalverband der reformierten Kirche das Gebäude und richtete darin das Doldenhorn ein, eine einfache Pension für seine Mitglieder. «Meine Eltern führten das Haus», erzählt René Maeder, der hier aufwuchs. «Die Gäste machten die Zimmer selber, und das Essen wurde mit einem Gongschlag angekündigt.»

Als die Eltern vor der Pensionierung standen, kaufte René Maeder die Pension Doldenhorn, baute sie vom Einstern- zum grosszügigen Vierstern-Superior-Haus aus und macht daraus eine Oase, in die man immer wieder gern für eine kurze Verschnaufpause zurückkehrt.

«Die Menschen sind heute im Beruf dermassen gefordert, dass sie Entschleunigung suchen» René Maeder
Direktor Waldhotel Doldenhorn
Folgerichtig ist das Doldenhorn komplett stressfrei. Frühstück gibt es, bis der letzte Gast ausgeschlafen hat.
Hotel Aspen Grindelwald, Jungfrau Region
Hotel Aspen Grindelwald, Jungfrau Region
Hotel Schönegg, Jungfrau Region
Hotel Schönegg, Jungfrau Region

Das Ruedihus ist ein 250-jähriges Bijoux mit nur gerade zwölf Zimmern


Der Erfolg des Hotels hat aber auch mit einem Freund des Hauses zu tun: Der berühmteste Kandersteger, Alt-Bundesrat Adolf Ogi, hat hier immer wieder Gäste untergebracht. Er kam mit dem Gesamtbundesrat her, mit Kofi Annan und Prinz Charles. Bis heute ist René Maeder regelmässig fürs Catering des Von-Wattenwyl-Hauses zuständig, in dem der Bundesrat Empfänge abhält, und er beliefert auch das Bundesratsflugzeug. Und als wäre das alles noch nicht genug, besitzt René Maeder heute auch noch ein höchst attraktives zweites Hotel, das ein paar Hundert Meter entfernt gelegene, 250 Jahre alte Ruedihus. René Maeder und seine Frau Anne übernahmen das herrschaftliche Holzhaus 1990 und konnten es zu einem Bijoux mit nur gerade zwölf Zimmern weiterentwickeln. Mehr Swissness geht nicht: Im hauseigenen Restaurant werden nur Schweizer Produkte angeboten, nicht einmal Pommes frites kommen auf die Teller, weil sie zu unschweizerisch sind.

Traditionshäuser gibt es aber nicht nur in den Bergen. Das Jugendstil-Hotel Carlton-Europe in Interlaken blickt ebenfalls auf eine über 100-jährige Geschichte zurück und kombiniert den Charme der Jahrhundertwende mit dem Komfort von heute. Mitten im Dorf gelegen verfügt es über individuell ausgestat-te Zimmer und grosszügige Appartements in der neu eröffneten Dependance. Im Winter kann man sich nach einem Tag auf der Piste in der Kaminbar oder in einer der Saunen aufwärmen. Im Sommer sorgt der Naturbadeteich im Hotelpark für Abkühlung.

Hotel Schweizerhof, Region Bern
Hotel Schweizerhof, Region Bern
Aber auch der Schweizerhof, das Fünfstern-Superior-Haus im Herzen Berns, gehört zu den berühmten Grandhotels der Schweiz. 99 Zimmer auf fünf Etagen – vom Standard-Einzelzimmer bis zur Presidential Suite – lassen keine Wohnwünsche offen. 130 Angestellte kümmern sich unter der Führung von Iris Flückiger um die Bedürfnisse der Gäste. Peter Ustinov, Grace Kelly oder Albert Schweitzer waren hier schon zu Gast und liessen es sich auch kulinarisch gut gehen: Jack’s Brasserie mit ihrem Fin-de-Siècle-Ambiente und dem Wienerschnitzel sind legendär.

Viele Hotels sind in den letzten Jahren aufwendig renoviert worden


Doch nicht nur die Traditionshäuser feiern ein Revival. Auch viele neue Hotels entstehen oder sind durch Modernisierungen in die neue Zeit überführt worden. Das Parkhotel Bellevue & Spa in Adelboden etwa, 1931 als Steinhaus im Stil der klassischen Moderne gebaut, ist in den letzten Jahren aufwendig renoviert worden. In Gstaad ist es das Vierstern-Superior-Hotel Huus, das ebenfall komplett umgebaut wurde und diesen Dezember seine Neueröffnung feiert. Mit über 130 Zimmern ist es das grösste Hotel in der Region und bietet seinen Gästen neben einem grossen Wellnessbereich auch ein einmaliges Angebot an Outdoor-Aktivitäten an. Oder das Aspen Alpin Lifestyle Hotel am Rande der Tschuggen-Piste in Grindelwald, das hält, was der Name verspricht: ein alpin geprägtes Lifestyle-Hotel, ausgestattet mit Designermöbeln, viel Arvenholz sowie Doppelzimmern und Suiten der Extraklasse. Der 300 Quadratmeter grosse Wellnessbereich bietet Dampf- und Kräuterbad, Erlebnisduschen mit Tropenregen und Fusssprudelbecken mit Aromen.

Hotel Huus, Gstaad
Hotel Huus, Gstaad

Das dieses Jahr neu eröffnete Deltapark Vitalresort in Gwatt zwischen Spiez und Thun gehört ebenfalls zu den innovativen Hotels im Berner Oberland. Die Hauenstein-Gruppe, die in der Region bereits mehrere Betriebe besitzt, entwickelte dafür ein ungewöhnliches Konzept. Entstanden ist eine Art Präventionshotel. So kann man im Deltapark ein Belastungs-EKG machen, sich ein Trainingsprogramm zusammenstellen lassen oder von einer Ernährungsberatung profitieren. Der Deltapark ist aber keineswegs ein Kurhaus, in dem nur stilles Wasser und Salat serviert wird.

«Zu unserem ganzheitlichen Wellness-Ansatz gehört zentral der Genuss» Mirco Plozza
Direktor Hotel Deltapark Vitalresort
Fünfzig Millionen Franken hat die Hauenstein-Gruppe in Gwatt investiert. Nun kommen noch einmal dreissig Millionen Franken für Wohnbauten hinzu. Das finanzielle Engagement beweist: Das Berner Oberland hat nicht nur eine grosse touristische Vergangenheit, sondern auch eine Zukunft.

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